Als methodischer Rahmen wird von den Herausgebern der Polaritätsfeldansatz gewählt, da sich Phänomene nicht mehr auf eine Wahrheit reduziert lassen. Trotz einer von hoher Komplexität geprägten Welt, in der wir leben, wird der öffentliche Diskurs trivialer und auf einfache Lösungen – meist durch Verwendung von Schlagwörtern – reduziert. Diese Bewältigung von Komplexität durch künstliche Reduktion führt aber langfristig in eine Einbahnstraße, da Wechselwirkungen, Alternativen und Gegenvorschläge ausgeklammert werden.
Der Polaritätsfeldansatz (nach Muhar / Vilsmaier) bezieht sich auf Paulo Freire, der Themen nicht isoliert oder statisch sieht. Vielmehr beziehen sich Phänomene gleichzeitig auch dialektisch auf ihren Gegensatz und somit wird eine ganzheitliche Sicht gewährleistet. Der Polaritätsansatz öffnet daher das komplexe Feld Tourismus durch den Einbezug eines großen Themenspektrums und ermöglicht somit eine Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Positionen. Ziel einer integrativen Theoriediskussion bzw. einer Reflexion pragmatischer Anwendungen ist nicht, Polaritäten aufzulösen (nach dem „entweder-oder“-Schema), sondern im Sinne der östlichen Sichtweise, Widersprüche zu integrieren und zu harmonisieren (im Sinne eine „sowohl-als auch“-Denkens).
Folgende Polaritätsfelder wurden angedacht, wobei weitere Vorschläge seitens der Autoren obligatorisch sind:
- Lokal und Global
- Authentizität und Künstlichkeit
- Masse und Individuum
- Physisch und Virtuell
- Schnell und langsam
Beispiele für Leitfragen:
Masse und Individuum:
Wie können neue touristische Impulse im Spannungsfeld Masse (z.B. Universallösungen) und Individuum (z.B. Nischenprodukte) gesetzt werden?
Schnell und langsam:
Wie können umfassende und nachhaltige Mobilitätskonzepte im Tourismus der Zukunft aussehen?
Wenngleich sich dieser Band in seiner konzeptuellen Ausrichtung nicht vorrangig am Einbezug unterschiedlichster Disziplinen orientiert, wie dies in Band I der Fall war (sondern eben an Polaritätsfeldern), so sei dennoch darauf hingewiesen, dass Beiträge aus sämtlichen Richtungen (gesellschaftspolitisch, wirtschaftlich, sozio-kulturell, technologisch etc.) willkommen sind.
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